Anklage gegen falschen "Notarzt" erhoben
AFP VOM 28.1.2011 | Nachrichten - Allgemein | 1654 Aufrufe Mehr zum Thema:Arzt
27-Jähriger behandelte mehr als 150 Patienten
Die Staatsanwaltschaft Stuttgart hat Anklage gegen einen 27-Jährigen erhoben, der ohne medizinische Ausbildung monatelang als vermeintlicher Arzt in zwei Krankenhäusern Patienten behandelt hatte. Der Angeschuldigte hatte eine Approbationsurkunde gefälscht und sich damit in Kliniken in München sowie in Horb südwestlich von Stuttgart erfolgreich beworben, wie die Anklagebehörde mitteilte. Er behandelte dort von Oktober 2009 bis Januar 2010 demnach mehr als 150 Patienten. Im Februar 2010 wurde er festgenommen und sitzt seither in Untersuchungshaft.
Der Betrug war zunächst nicht aufgefallen, da der Hauptschulabsolvent sich in einem freiwilligen sozialen Jahr sowie langjähriger Mitgliedschaft im Deutschen Roten Kreuz medizinische Grundkenntnisse angeeignet hatte. So war der vermeintliche Arzt unter anderem bei mehreren Rettungseinsätzen dabei und spritzte laut Staatsanwaltschaft dabei den Patienten auch Narkosemittel und andere Medikamente. Den anfänglichen Verdacht, dass der 27-Jährige möglicherweise auch den Tod zweier Patienten zu verantworten habe, hätten die Ermittlungen jedoch "glücklicherweise" nicht bestätigt, erklärte die Behörde.
Der 27-Jährige hat die Taten den Angaben zufolge im Wesentlichen gestanden. Sein Motiv waren demnach finanzielle Probleme. Die Staatsanwaltschaft hat nun Anklage unter anderem wegen gefährlicher Körperverletzung, gewerbsmäßigen Betrugs, Urkundenfälschung und Titelmissbrauchs zum Landgericht Stuttgart erhoben. Dem Angeschuldigten droht eine mehrjährige Haftstrafe.
28.01.2011 - 17:01 Uhr


