Anklage gegen Verdächtigen wegen Mord an US-Abtreibungsarzt
AFP VOM 3.6.2009 | Nachrichten - International | 1147 Aufrufe Mehr zum Thema:Mord, Abtreibungsarzt
51-Jähriger soll George Tiller erschossen haben
Zwei Tage nach der Ermordung des bekannten US-Abtreibungsarztes George Tiller ist Anklage gegen einen Tatverdächtigen erhoben worden. Wie die Justizbehörden des US-Bundesstaats Kansas mitteilten, muss der 51-jährige Scott R. bis zu einer ersten Anhörung vor Gericht in zwei Wochen in Haft bleiben. Ihm wird vorgeworfen, Tiller am Sonntag auf dem Weg zum Gottesdienst in Wichita erschossen zu haben.
Der Beschuldigte war drei Stunden nach der Tat festgenommen worden, nachdem er zunächst in einem Fahrzeug geflüchtet war. Der erste Gerichtstermin, bei dem sich R. für schuldig oder nicht-schuldig erklären muss, wurde für den 16. Juni angesetzt. Laut Staatsanwältin Nola Foulson pflegt der 51-Jährige zwar Kontakte zu militanten Abtreibungsgegnern. Bei der Tat soll er jedoch "allein gehandelt" haben. Aufgrund der Gesetzeslage in Kansas komme eine Todesstrafe im Mordfall Tiller nicht in Betracht.
Tiller war einer der wenigen Ärzte in den USA, die noch Abtreibungen im letzten Schwangerschaftsdrittel vornehmen. Er war am Sonntag am Eingang der Lutheranischen Kirche seines Heimatorts Wichita in Kansas erschossen worden. Der 67-Jährige und seine Klinik waren wiederholt Zielscheibe militanter Abtreibungsgegner. 1986 wurde die Klinik bei einem Bombenanschlag schwer beschädigt. Sieben Jahre später schoss eine Frau in seiner Klinik auf ihn; er überlebte mit Schusswunden in beiden Armen.
Die Abtreibungsdebatte wird in den USA seit Jahrzehnten heftig geführt. Präsident Barack Obama war vor zwei Wochen von Abtreibungsgegnern kritisiert worden, nachdem er sich in einer Rede für das Recht auf Schwangerschaftsabbruch ausgesprochen hatte, zugleich aber eine Versöhnung der verfeindeten Lager forderte. In Kansas sind Spätabtreibungen zulässig, wenn zwei Ärzte unabhängig voneinander zu dem Schluss kommen, dass die Gesundheit der Mutter bei der Geburt schweren Schaden nehmen könnte.
3. Juni 2009 - 12.52 Uhr
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