Amnesty verlangt Untersuchung zu Geheimgefängnis in Bagdad
AFP VOM 20.4.2010 | Nachrichten - Nachrichten | 383 Aufrufe Mehr zum Thema:Folter
Mehr als hundert Insassen laut Zeitungsbericht gefoltert
Nach Berichten über Folter in einem irakischen Geheimgefängnis hat Amnesty International (ai) eine Untersuchung durch die Regierung in Bagdad verlangt. "Die Existenz solcher Geheimgefängnisse zeigt, dass Menschenrechtsverletzungen des Militärs im Irak ohne Konsequenzen bleiben", sagte die für Nahost und Nordafrika zuständige ai-Vertreterin Hassiba Hadsch Sahraui am Dienstag in Bagdad. Die Zeitung "Los Angeles Times" hatte am Sonntag über Foltervorwürfe in einem Gefängnis auf einem alten Flughafengelände bei Bagdad berichtet. Dort sollen mehr als hundert Gefangene mit Stromstößen, Schlägen oder simulierten Erstickungen misshandelt worden sein. Im Januar sei ein Insasse gestorben, schrieb das Blatt unter Berufung auf offizielle Quellen.
Die Regierung von Ministerpräsident Nuri el Maliki habe mehrmals zugesagt, Folter und andere den Sicherheitskräften vorgehaltene schwere Menschenrechtsverletzungen zu ahnden, sagte die ai-Vertreterin weiter. Bisher sei aber nicht dergleichen bekannt geworden. "Dies begünstigt die Verbreitung einer Kultur der Straflosigkeit im Land", monierte Sahraui. Über den in der US-Zeitung zitierten Fall will Maliki laut ai-Angaben nicht informiert gewesen sein. Dabei wird das Gefängnis angeblich von den Bagdad-Brigaden geführt, einer Spezialeinheit, die direkt dem Ministerpräsidenten unterstellt ist.
In dem Gefängnis auf dem alten Muthanna-Flughafen sollen nach ai-Angaben Gefangene untergebracht worden sein, die bei einer Operation von Regierungstruppen in der nordirakischen Provinz Niniwe gegen mutmaßliche sunnitische Aufständische im Oktober festgenommen wurden. Erst im März sei bekannt geworden, wohin die Männer verschleppt worden seien, nachdem Angehörige Nachforschungen angestellt hätten.
20. April 2010 - 16.43 Uhr
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