Die Menschenrechtsorganisation amnesty international (ai) hat die Straflosigkeit für Verbrechen während des Bürgerkriegs in El Salvador kritisiert. Auch neun Jahre nach dem Ende der bewaffneten Auseinandersetzungen in dem zentralamerikanischen Land seien Folter, Mord und das Verschwinden von Oppositionellen nicht aufgeklärt, schrieb ai in einem am Donnerstag veröffentlichten Bericht. Auch seien die Täter bis heute nicht vor Gericht gestellt.
"Es ist an der Zeit, dass die salvadorianische Regierung den politischen Willen zeigt, die Verantwortlichen zur Rechenschaft zu ziehen und damit den Weg frei zu machen für Versöhnung und wirklichen Frieden", erklärte Christa Rahner-Göring, Expertin für El Salvador bei der deutschen ai-Sektion. Die Organisation fordere, das Amnestiegesetz von 1993 abzuschaffen, "das Folterern und Mördern die Freiheit schenkte", fügte Rahner-Göring hinzu.
Genaue Zahlen der Opfer von Menschenrechtsverletzungen während des Bürgerkrieges in El Salvador von 1980 und 1991 liegen laut ai nicht vor. Es wird geschätzt, dass mindestens 75.000 Menschen getötet oder gefoltert wurden oder spurlos verschwanden. Internationales Aufsehen erregte vor allem die Ermordung von Erzbischof Oscar Arnulfo Romero. Romero war am 24. März 1980 während eines Gottesdienstes von einem Killer der ultrarechten Todesschwadronen getötet worden. Er hatte die soziale Ungleichheit und die Unterdrückung durch das Militärregime in El Salvador angeprangert.
© AFP Agence France-Presse GmbH 2001
