Ahmadinedschad fordert mehr Respekt in Atomgesprächen
AFP VOM 19.12.2009 | Nachrichten - Nachrichten | 902 Aufrufe Mehr zum Thema:Iran
Irans Präsident appelliert an den Westen
Im Atomstreit mit den USA und ihren Verbündeten hat der iranische Präsident Mahmud Ahmadinedschad mehr Respekt gefordert. "Sie müssen ihre Wortwahl ändern", dann sei in den Verhandlungen über eine Uran-Anreicherung im Ausland "alles möglich", sagte Ahmadinedschad der Nachrichtenagentur AFP in Kopenhagen. Eine Freilassung der seit Monaten im Iran festgehaltenen Französin Clotilde Reiss schloss er nicht aus.
In dem Interview äußerte sich der iranische Staatschef zu einem Kompromissvorschlag der UN-Atomenergiebehörde IAEA. Demnach soll der Iran 1200 Kilogramm seines schwach angereicherten Urans zur weiteren Anreicherung für Forschungszwecke nach Russland liefern.
"Alles ist möglich, 400 Kilo, 800 Kilo, das ist gar nichts. Aber nicht in einem Klima von Drohungen", sagte Ahmadinedschad. Selbst 1200 Kilogramm seien keine allzu große Menge. Seine Regierung sei bereit, sich an den Verhandlungstisch zu setzen, um eine Einigung zu erreichen. Die Zeiten aber, da sich der Iran drohen lasse, seien vorbei. Ahmadinedschad bekräftigte zugleich, dass sein Land als Unterzeichner des Atomwaffensperrvertrags nicht die Absicht habe, eine Atombombe zu bauen.
Washington hatte den Iran zuletzt zur Annahme des IAEA-Vorschlags gedrängt. Die 1,2 Tonnen entsprechen mehr als zwei Dritteln des schwach angereicherten Urans im Besitz des Iran. Nach dem Willen des Westens sollen sie im Ausland angereichert, zu Brennstäben verarbeitet und an Teheran zurückgegeben werden. So soll verhindert werden, dass der Iran das Material selbst anreichert. Die USA und ihre Verbündeten werfen Teheran vor, unter dem Vorwand der zivilen Nutzung der Kernenergie heimlich Atomwaffen entwickeln zu wollen.
Für die Freilassung der Französin Clotilde Reiss nannte Ahmadinedschad ebenfalls Bedingungen, ohne sie näher auszuführen. Das hänge von der "Haltung der französischen Regierung" ab, sagte er in dem Interview mit AFP. Teheran wolle "diese Angelegenheit regeln", aber die Franzosen müssten "ihr Verhalten ein wenig korrigieren und ausgewogener handeln".
Reiss, die als Lektorin an der Universität Isfahan gearbeitet hatte, war am 1. Juli im Iran festgenommen worden. Die iranische Justiz wirft ihr vor, an den Protesten nach der umstrittenen Präsidentschaftswahl vom 12. Juni teilgenommen und die "Aufrührer" ermutigt zu haben. Reiss hatte Bilder von den Massenprotesten gemacht und diese per E-Mail an Freunde geschickt.
19. Dezember 2009 - 14.30 Uhr
© AFP Agence France-Presse GmbH 2009


