Ackermann bestreitet Mitschuld an IKB-Beinahepleite
AFP VOM 13.5.2010 | Nachrichten - Nachrichten | 707 Aufrufe Mehr zum Thema:Ackermann, IKB
Deutsche-Bank-Chef: Mittelstandsbank war schon früh in Schieflage
Im Prozess um die Beinahe-Pleite der Mittelstandsbank IKB hat Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann eine Mitschuld seines Instituts bestritten. Die IKB sei schon vor der Kappung von Kreditlinien durch die Deutsche Bank Ende Juli 2007 in einer "massiven Schieflage" gewesen, sagte Ackermann am Mittwoch vor dem Landgericht Düsseldorf. Die Deutsche Bank habe lediglich ihr Geld vor einer drohenden IKB-Pleite schützen wollen.
Ackermann war am Mittwoch als Zeuge im IKB-Verfahren geladen. In dem Prozess um die Beinahe-Pleite muss sich der frühere Chef der Mittelstandsbank, Stefan Ortseifen, unter anderem wegen Börsenmanipulation verantworten. Ihm wird vorgeworfen, die finanzielle Lage des Instituts im Juli 2007 vor dem Hintergrund der US-Immobilienkrise beschönigt dargestellt zu haben, obwohl es bereits massive Finanzprobleme gegeben habe.
Die IKB hatte sich am US-Immobilienmarkt verspekuliert und geriet als erstes deutsches Kreditinstitut in den Strudel der internationalen Finanzkrise. Der Prozess ist der erste in Deutschland gegen einen Ex-Banker im Zusammenhang mit der Finanzkrise.
Ex-IKB-Chef Ortseifen hatte bereits beim Prozessauftakt die Beendigung der Kreditgeschäfte durch die Deutsche Bank für die IKB-Beinahepleite mitverantwortlich gemacht. Dies habe zu einem Vertrauensverlust in der Finanzbranche geführt, weswegen sich auch andere Institute von der IKB zurückgezogen hätten.
Deutsche-Bank-Chef Ackermann sagte, die Deutsche Bank habe zwei Arten von Kreditgeschäften mit der IKB unterhalten. Einmal sei es um Kreditlinien in Höhe von bis zu 500 Millionen Euro zur Finanzierung von Wertpapier-Portfolios der IKB im Gesamtumfang von fast 19 Milliarden Euro gegangen. Diese Kreditlinien seien vertraglich vereinbart gewesen. Daneben habe es eine weitere Handelskreditlinie von 76 Millionen Euro ohne gesonderte vertragliche Vereinbarungen gegeben. Diese kleinere Kreditlinie habe die Deutsche Bank am 26. Juli 2007 "suspendiert".
Die Deutsche Bank habe dies aus der Furcht getan, die IKB könne Pleite gehen und die Deutsche Bank deswegen durch die Kreditgeschäfte Geld verlieren, sagte Ackermann. Eigene Analysen der Deutschen Bank hätten ein dramatisches Bild der Lage bei der IKB gezeichnet: "Wir wussten, dass IKB nicht mehr zu retten war", sagte Ackermann. Bereits ab Mitte Juli 2007 habe es auf dem Markt für US-Hypothekenpapiere erhebliche Verwerfungen gegeben. Die Deutsche Bank habe die Kreditlinien nur gekappt, weil sie ansonsten "gutes Geld Schlechtem hinterhergeworfen" hätte, sagte der Deutsche-Bank-Chef.
Die Deutsche Bank habe eigene Analysen als Entscheidungsgrundlage genommen, weil ihr die IKB nach dem 20. Juli 2007 trotz mehrfacher Anfrage über Tage hinweg keine eigenen Informationen zu ihrer Finanzlage Verfügung gestellt habe, sagte Ackermann. Durch die eigenen Analysen habe die Deutsche Bank den Eindruck gewonnen, dass die IKB "in einer sehr problematische Lage" gewesen sei, es habe "höchste Zweifel" an deren Kreditwürdigkeit gegeben. Daraufhin habe er sich entschlossen, die Finanzaufsicht BaFin von der Lage der IKB zu verständigen, sagte Ackermann.
Die IKB wurde Ende Juli 2007 über ein Wochenende durch ein Milliarden-Rettungspaket des Bundes und der Bankenverbände vor dem Zusammenbruch bewahrt. IKB-Chef Ortseifen räumte seinen Posten.
13. Mai 2010 - 11.16 Uhr
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