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3-2-1... Schlammschlacht

AFP VOM 28.4.2004 | Nachrichten - Allgemein | 5260 Aufrufe
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eBay, connexx-av, epay.tv

3-2-1... Schlammschlacht

Online-Auktionshaus eBay wehrt sich gegen angebliche Schmutzkampagne

Offenes Firmenklima der New Economy sagen die einen, Sklaverei nennen es die anderen. Zwischen der Chefetage von eBay und unzufriedenen Mitarbeitern nebst ihrer Interessengemeinschaft entbrennt dieser Tage ein Grabenkrieg um eine treffende Definition der Arbeitsbedingungen beim weltgrößten Online-Auktionshaus. Die ver.di-Tochter connexx.av, die Interessenvertretung für Angestellte der Medienbranche, hatte über die Internetseite epay.tv eine Mitarbeiterbefragung zur Zufriedenheit bei den Angestellten des Online-Riesen durchgeführt. Ein Großteil der Mitarbeiter des Auktionshauses scheint unzufrieden, veröffentlichte epay.tv. Dabei beruft man sich auf die angebliche Mitarbeit von ebay-Insidern. Doch jetzt schießt die eBay-Leitung zurück.

In einem Statement, das auch bei 123recht.net einging, bezeichnete eBay die Umfrage als hinterlistige Gewerkschaftskampagne und glaubt nicht an eine Beteiligung von Mitarbeitern. Vielmehr wisse das Auktionshaus, dass sich für epay.tv eine Vereinigung mit dem Namen connexx.av verantwortlich zeichne, und sei sich der Verbindung des Initiators der Umfrage zu der Dientleistungsgewerkschaft ver.di bewusst. Bei eBay ist man sich sicher, die Motive erkannt zu haben: Ver.di wolle eBay als Arbeitgeber in Verruf bringen, um dem Online-Auktionator einen Tarifvertrag aufzuzwingen. eBay sieht die Regeln der Kooperation zwischen Unternehmen und Gewerkschaft verletzt. In der Stellungnahme eBays heißt es: „eBay ist über die Hintergründe der Kampagne entsetzt.“

Connexx.av hält dagegen und sieht ihr Handeln als stichhaltig begründet. Projektleiterin Sandra Goldschmidt spricht im Zusammenhang mit eBay von permanenter „Überwachung an der Grenze des Legalen, ausufernde Arbeitszeiten und Bezahlung weit unter dem üblichen Niveau.“ Man wolle gemeinsam mit den Mitarbeitern des Auktionsriesen etwas dagegen tun. Der ver.di-Tochter zufolge bedient sich eBay jedoch drastischer Mittel, das zu unterbinden. So habe die Geschäftsleitung versucht, den Mitarbeiterstab durch die Androhung von Kündigungen einzuschüchtern. Wer mit epay.tv in Kontakt trete, fliege raus. eBay dementierte dies.

Unterdessen berichtete auch Spiegel Online über die Angelegenheit. Dem Magazin liegen Dokumente vor, die die Vorwürfe seitens eBays bekräftigen und die Position der connex.av untergraben. Spiegel.de zufolge handele es sich bei epay.tv tatsächlich um eine ausgeklügelte Kampagne, einen prominenten Gegner wie eBay dramaturgisch wirksam dazu einzuspannen, neue Gewerkschaftsmitglieder in der E-Commerce-Branche zu gewinnen. Die vorliegenden Strategiepapiere würden sich wie eine Guerillakampftaktik lesen. Es sei geplant gewesen, eBay im großen Rahmen durch den Schmutz zu ziehen.
Angesichts einer bevorstehenden Prüfung der Effektivität steht die connexx.av unter einem gewissen Erfolgsdruck. Dennoch betonte Sandra Goldschmidt wiederholt, es ginge bei epay.tv nicht um Wirtschaftlichkeit, sondern wirklich darum, Angestellten der Medienbranche zu helfen.

Derweil werden immer mehr empörte Stimmen von ehemaligen eBay-Mitarbeitern laut, die über die Arbeitsbedingungen beim Online-Auktionshaus plaudern. eBay arbeitet mit einem so genannten Activity Manager, einem Computerprogramm, das mit einer Stechuhr vergleichbar ist. Jeder eBay-Mitarbeiter muss sich selbst für den Gang zur Toilette abmelden. Damit soll die Produktivität eines jeden Angestellten überwacht werden. Pressesprecher Joachim Güntert verteidigte das System in einem Interview mit der taz: „Bei 440 Mitarbeitern und 16.000 zu bearbeitenden E-Mails pro Tag braucht man standardisierte Instrumentarien, um dafür zu sorgen, dass die Arbeitslasten gleichmäßig verteilt sind.“

Parallel dazu wird von Seiten der Geschäftsleitung ein familiäres Klima etabliert, in dem in kleinen Teams gearbeitet und selbst der Chef geduzt wird. Das ganze diene der Erzeugung einer Art Gruppendynamik, um die Produktivität zu steigern. Niemand würde es sich trauen zu trödeln, da dann schließlich die Kollegen mehr arbeiten müssten, bekannte ein Insider, der sich bei seiner Arbeit von eBay überwacht fühlte, gegenüber der taz. „Man wird nicht als Mensch, sondern als eine Datei betrachtet. Und der Computer überwacht dich.“ Außerdem trägt jeder Mitarbeiter eine Plakette mit der Firmendoktrin bei sich. Das hätte den Zweck, Zusammengehörigkeitsgefühl zu steigern, sagte der Pressesprecher.

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Astrid Gösmann
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