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Söldner aus der High Society

AFP VOM 19.6.2008 | Nachrichten - Nachrichten | 2854 Aufrufe
Mehr zum Thema: Putschversuch, Afrika, Söldner

Simon Mann drohen 30 Jahre Haft wegen Putschversuch in Afrika

Simon Mann entstammt Großbritanniens obersten Kreisen - und trotzdem hatte er keine Hemmungen, sich die Hände schmutzig zu machen. Seine Sicherheitsfirma wird mit Verbrechen während des Bürgerkriegs im westafrikanischen Sierra Leone in Verbindung gebracht. Er überließ seinen Angestellten den gefährlichen Job, Ölleitungen in Angola vor Rebellenangriffen zu schützen, und soll damit Millionen verdient haben. Weil er an einem Putschversuch 2004 im kleinen ölreichen Äquatorialguinea federführend beteiligt gewesen sein soll, drohen dem 55-jährigen Ex-Schüler der Eliteanstalt Eton nun 30 Jahre Haft.

Er sei tatsächlich an dem Putschversuch gegen den Staatschef von Äquatorialguinea, Teodor Obiang Nguema, vor vier Jahren beteiligt gewesen, gestand Mann in einem Interview mit dem britischen Sender Channel 4 News ein. Der Anführer der Verschwörung sei er allerdings nicht gewesen, betonte der Brite, während er in seiner Gefängniszelle in Malabo, der Hauptstadt von Äquatorialguinea, auf sein Urteil wartete. Die Staatsanwaltschaft sieht das anders und wirft Mann vor, der Kopf des Putschversuches gewesen zu sein. Vor der geplanten Urteilsverkündung am Donnerstag verzichtete sie wegen einer entsprechenden Forderung Simbabwes jedoch darauf, die Todesstrafe für Mann zu fordern. Stattdessen solle er für 30 Jahre in Haft.

Mann war im März 2004 mit 61 mutmaßlichen Komplizen während eines Zwischenstopps auf dem Flughafen der simbabwischen Hauptstadt Harare festgenommen worden. Er habe dort Waffen besorgen und dann zusammen mit weiteren Kämpfern unter der Führung von Manns südafrikanischem Geschäftspartner Nick du Toit gegen den Staatschef von Äquatorialguinea putschen wollen, lautete der Vorwurf. In dem kleinen westafrikanischen Land waren gerade Ölquellen entdeckt worden, die bei ausländischen Firmen Interesse weckten. Mann wurde zu sieben Jahren Haft verurteilt, musste jedoch nur vier Jahre absitzen und wurde im Februar dieses Jahres schließlich von Simbabwe an Äquatorialguinea ausgeliefert.

Mit der Inhaftierung wurde Manns Leben in der High Society jäh beendet. Der Brite hatte die Elite-Schule Eton besucht und die renommierte Sandhurst Academy. Danach diente er bis 1981 in der Spezialeinheit SAS der britischen Armee. Später gründete er mehrere Sicherheitsfirmen, die gefährliche Aufträge in Afrika annahmen. Während seines Lebens in Constantia, einem Nobel-Vorort der südafrikanischen Metropole Kapstadt, soll er Umgang mit Earl Spencer, dem Bruder von Lady Diana, gepflegt haben. Mark Thatcher, der Sohn der langjährigen britischen Premierministerin Margaret Thatcher, war einer von Manns Freunden.

Angesichts seiner drohenden Verurteilung ist Mann die Freundschaft zu Thatcher offenbar nicht mehr wichtig. Mark Thatcher sei nicht nur Geldgeber für den Putschversuch gewesen, sondern ein vollwertiges Mitglied der Putschistengruppe, beteuerte Mann am Mittwoch vor Gericht. Der Angeklagte war sichtlich bemüht, seine eigene Bedeutung bei der Intrige herunterzuspielen. Die spanische Regierung sei "zu hundert Prozent" bereit gewesen, den Putsch zu unterstützen, versicherte der Brillenträger mit den zurückgekämmten grauen Haaren dem Gericht. Auch Südafrikas Geheimdienst habe grünes Licht gegeben.

Obiang herrscht bereits seit 1979 in Äquatorialguinea, als er seinen Onkel Francisco Macias Nguema stürzte. Dem Staatschef werden zahlreiche Menschrechtsverstöße vorgeworfen, die Bevölkerung des Landes gehört zu den ärmsten der Welt. Nichtsdestotrotz erscheint es unwahrscheinlich, dass Mann und seine Mitstreiter den Putsch aus humanitären Gründen planten. Nicht nur die USA, sondern auch einige Erdölfirmen hätten auf Nachfrage gesagt, die Lage in Äquatorialguinea sei nicht sicher und ein Regierungswechsel wäre begrüßenswert, sagte Mann vor Gericht aus. Als neuen Staatschef wollten Mann und seine Mitverschwörer den Oppositionsführer Severo Moto einsetzen, der derzeit wegen Waffenhandels in Spanien im Gefängnis sitzt.

19. Juni 2008 - 14.46 Uhr

© AFP Agence France-Presse GmbH 2008



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