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Merck zahlt fast fünf Milliarden Dollar an Vioxx-Opfer

AFP VOM 9.11.2007 | Nachrichten - International | 3967 Aufrufe
Mehr zum Thema: Merck, Vioxx

Konzern wehrt mit plötzlichem Kurswechsel fast 27.000 Klagen ab

Mit einer Zahlung von fast fünf Milliarden Dollar hat der US-Arzneimittelkonzern Merck tausende Klagen der Opfer seines Medikaments Vioxx abgewehrt. Die Firma teilte am Freitag mit, sie habe eine außergerichtliche Einigung mit etwa 95 Prozent der Kläger getroffen, die die Zahlung von 4,85 Milliarden Dollar (3,3 Milliarden Euro) vorsehe. Damit sei keinerlei Eingeständnis von Schuld verbunden, betonte Merck in der Erklärung. Von der Einigung nicht abgedeckte Klagen sollten weiter vor Gericht ausgefochten werden. Das entzündungshemmende Medikament hatte das Herzinfarktrisiko der Patienten nach 18-monatiger Einnahme verdoppelt.

"Dies ist eine gute und verantwortungsvolle Vereinbarung, die es der Firma ermöglichen wird, sich wieder voll auf ihren Auftrag bei der Entdeckung, Entwicklung und Herstellung neuer Medikamente und Impfstoffe zu konzentrieren", sagte Merck-Chef Richard Clark. Der Pharmariese wird demnach zwei Fonds finanzieren, einen mit vier Milliarden Dollar für Klagen wegen Herzproblemen, einen weiteren von 850 Dollar für Patienten mit Schlaganfällen.

Die Firma hatte das Medikament im Jahr 2004 vom Markt genommen, nachdem die interne Studie veröffentlicht worden war, die das erhöhte Herzinfarktrisiko dargelegt hatte. Seither habe Merck zwölf Vioxx-Prozesse gewonnen und fünf verloren, teilte die Firma mit. Die außergerichtliche Einigung wurde von Experten als Kurswechsel des Pharmakonzerns gewertet, die zuvor angekündigt hatte, sie werde jede einzelne der fast 27.000 Klagen ausfechten. Die Firma macht geltend, sie habe über die Nebenwirkungen des Medikaments hinreichend informiert.

Die Vereinbarung über die 4,85 Milliarden Dollar sei keine Kollektiv-Abmachung betonte Merck. Vielmehr sollten die Ansprüche jedes einzelnen Patienten individuell geprüft werden. Die Einigung gelte außerdem ausschließlich für Kläger in den USA sowie Kläger, die nachweislich in den USA die Nebenwirkungen des Medikamentes erlitten hätten, betonte Merck. Auch in Deutschland sind Vioxx-Klagen anhängig. Der US-Pharmakonzern ist einer der größten Arzneimittelhersteller weltweit und völlig unabhängig vom Darmstädter Pharmaunternehmen Merck KG, deren amerikanisches Tochterunternehmen es bis 1917 einmal war.

9. November 2007 - 16.50 Uhr

© AFP Agence France-Presse GmbH 2007


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