§ 29 a Absatz 1 BtMG (Betäubungsmittelgesetz) und die nicht geringe Menge bei Betäubungsmitteln (BtM/ Drogen)

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Im nachfolgenden Artikel informiert der Münchener Strafverteidiger und Rechtsanwalt Martin Kämpf über die Voraussetzungen des § 29 a BtMG und die Grenzen der Wirkstoffe der einzelnen Betäubungsmittel.

1. Die Abgabe, die Verabreichung oder die Verbrauchsüberlassung von Betäubungsmitteln an Jugendliche unter 18 Jahre (§ 29 Absatz 1 Nr. 1 BtMG)

Martin Kämpf
seit 2006 bei
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Rechtsanwalt
Fachanwalt für Strafrecht
Pettenkoferstraße 10a
80336 München
Tel: 089/22843355
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E-Mail:
Ordnungswidrigkeiten, Verkehrsstrafrecht, Betäubungsmittelrecht, Verkehrsrecht

Nach dieser Vorschrift muss der Täter ein Erwachsener sein, mithin eine Person, die über 21 Jahre alt ist. Der Empfänger des Betäubungsmittels muss ein Minderjähriger sein, also eine Person unter 18 Jahren.

Die Abgabe ist sowohl die unentgeltliche als auch die entgeltliche Weitergabe des Betäubungsmittels. Als Abgabe ist deshalb auch die Veräußerung und das unerlaubte Handeltreiben mit Betäubungsmitteln zu verstehen, wenn hierbei jeweils die tatsächliche Verfügungsgewalt über das Betäubungsmittel übertragen wird.

Verabreichung liegt vor, wenn das Betäubungsmitteln in den Körper des Empfängers ohne dessen Mitwirkung eingebracht wird oder die Droge unmittelbar an dessen Körper angewendet wird.

Betäubungsmittel im Sinne dieser Vorschrift sind sämtliche in Anlage 1 bis 3 zum Betäubungsmittelgesetz aufgeführten Stoffe und Zubereitungen (z.B. Amphetamin, Cannabis, Ecstasy, GHB, Heroin, Kath, Kokain, LSD, Methadon, Morphin, Psilocybin).

Bitte beachten Sie, dass auch weiche Drogen wie Haschisch oder Marihuana unter diese Vorschrift fallen. Hingegen ist es weder erforderlich, dass eine nicht geringe Menge von BtM vorliegt, noch dass die Drogen als besonders gefährlich eingestuft werden.

2. Das Handeltreiben, die Abgabe, die Herstellung, der Besitz von Betäubungsmitteln in nicht geringer Menge (§ 29 Absatz 1 Nr. 2 BtMG)

Grenzwerte betreffend die nicht geringe Menge für die einzelnen Betäubungsmittel sind seitens des Gesetzgebers nicht festgelegt.Diese entwickelte die Rechtsprechung und legte für die verschiedenen Drogen Wirkstoffmengen fest. Ab welcher Wirkstoffmenge die nicht geringe Menge eines Betäubungsmittels erreicht ist, richtet sich unter anderem danach, wie gefährlich das Betäubungsmittel ist und welche Menge üblicherweise einer Konsumeinheit entspricht.

Nachfolgend finden Sie eine Auflistung der nicht geringen Menge der gängigsten Betäubungsmittel samt Zitierung der zugehörigen Rechtsprechung:

  • Amphetamin: 10,0 g Amphetaminbase (BGHSt 33, 169)
  • Cannabis: 7,5 g THC (Tetrahydrocannabinol) (BGHSt 33, 8)
  • Ecstasy: 30,0 g Base (MDE/ MDEA, MDA, MDMA) bzw. 35,0 g MDE-Hydrochlorid/ MDMA-Hydrochlorid/ MDA-Hydrochlorid
  • GHB: 200,0 g Natrium-gamma-Hydroxy-Buterat (LG Würzburg 13.01.2004 - 5 KLs 232 Js 1185/03)
  • Heroin: 1,5 g Heroin-Hydrochlorid (BGHSt 32, 162)
  • Kath: 30,0 g Cathinon (BGHSt 49, 306)
  • Kokain: 5,0 g Kokain-Hydrochlorid (BGHSt 33,133)
  • LSD: 6,0 mg oder 300 LSD-Trips (BGHSt 35, 43)
  • Levomethadon, Methadon: 3,0 Methadonhydrochlorid (OLG Karlsruhe NJW 1994, 3022)
  • Metamphetamin: 5,0 g Metamphetaminbase bzw. 6,0 g Metamphetamin-Hydrochlorid (BGH 03.12.2008 - 2 StR 86/08)
  • Morphin: 4,5 g Morphin-Hydrochlorid (BGHSt 35, 179)
  • Psilocybin, Pilocin: 1,2 g Psilocin oder 1,7 g Psilocybin (BayObLGSt 2002, 33)

Mit den Begriffen der einzelnen Begehungsweisen (Anbauen, Herstellen, Handeltreiben, Einfuhr, Abgabe, Erwerb, Besitz) können Sie sich in einem weiteren Artikel des Rechtsanwalts und Strafverteidigers Martin Kämpf aus München vertraut machen.

Tipp : Insbesondere angesichts der Mindestandrohung von einem Jahr Freiheitsstrafe und den damit verbundenen weitreichenden Konsequenzen empfiehlt es sich als Beschuldigter eines Ermittlungsverfahrens dringend (!), von seinem Schweigerecht Gebrauch zu machen und keinerlei Angaben gegenüber den Ermittlungsbehörden (Polizei/ Staatsanwaltschaft) zu tätigen. Entgegen anders lautender Gerüchte ist hierdurch regelmäßig auch kein Vorteil in der Höhe der Strafe zu erwarten. Im Gegenteil sind häufig die Nachteile einer übereilt getätigten Aussage oder eines Geständnisses für den Beschuldigten nicht absehbar.

Es gilt die Devise "Schweigen ist Gold" und empfiehlt sich, einen im Strafrecht tätigen Rechtsanwalt mit Ihrer Strafverteidigung zu beauftragen und über diesen zunächst Akteneinsicht in die Ermittlungsakte zu nehmen. Im Anschluss hieran kann, falls dies im konkreten Fall sinnvoll ist, eine Erklärung zur Sache oder ein Geständnis abgegeben werden.

Rechtsanwalt & Strafverteidiger Martin Kämpf
Pettenkoferstraße 10a
80336 München

Fon 089/ 22843355
Fax 089/ 22843356

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